Breadcrumbs

Was? Sie sind Stenograf? Das gibt's noch?

Antwort:
Aber ja! In der Bundesrepublik Deutschland sind etwa 200 Berufs­stenografen tätig, von denen die meisten dem Verband der Parlaments- und Verhandlungsstenografen angehören. Viele arbei­ten in den Stenografischen Diensten des Bundestages, des Bundesrates und der Landtage, in Kommunalparlamenten und beim Rundfunk; es gibt aber auch freiberuflich tätige Stenografen.

FAQs

  • Wie wird man Stenograf? Open or Close

    Antwort:
    Üblicherweise werden ein Hochschulstudium oder gleich­wertige Fähigkeiten und Erfahrungen sowie sehr gute Kenntnisse in (Maschinen-)Stenografie vorausgesetzt. Allgemeinbildung, Auffassungs­gabe, Sprachgefühl, Sorgfalt, EDV‑Kenntnisse und Sozial­kompetenz sind weitere wichtige Stichworte in diesem Zusammen­hang.

  • Kann man Protokolle nicht mit einem Tonband erstellen? Open or Close

    Antwort:
    Nein! Für Protokolle wird die mündlich vorgetragene Rede verschriftlicht. Protokolle sollen darstellen, was die Redner haben sagen wollen, aber ungenau oder missverständlich formuliert ha­ben – und das in grammatikalisch und syntaktisch korrekter Form, unter Beibehaltung des Redestils bei einheitlicher optischer Dar­stellung. Ein Tonband nimmt das gesprochene Wort auf, transkribiert es aber nicht in Schriftform.

  • Und wozu dient das Stenogramm? Open or Close

    Antwort:
    Das Stenogramm ist die erste Schriftform des gesproche­nen Wortes und enthält bereits eine Struktur. Es werden zum Bei­spiel Absätze, Zitate, Aufzählungen, aber auch vorzunehmende Um­stellungen und Änderungen kenntlich gemacht. Darüber hinaus wer­den Beifallsbekundungen und Zurufe stenografiert, die sich allein mit der Tonaufnahme nicht zuordnen ließen bzw. ihr gar nicht zu entneh­men wären.

  • Aber mitgeschnitten werden die Sitzungen doch trotzdem, oder? Open or Close

    Antwort:
    Ja! Es ist eine effiziente, sichere, schnelle Methode, das Protokoll auf der Grundlage sowohl der – inzwischen digitalen – Tonaufnahme als auch des Stenogramms zu erstellen. Die Vorteile beider Instrumente werden genutzt und ergänzen einander.

  • Wird jedes Wort wiedergegeben? Open or Close

    Antwort:
    Jein. Es gibt verschiedene Arten von Protokollen: wörtliche, scheinwörtliche und analytische. Zum Beispiel müssen sich Proto­kolle von Untersuchungs­ausschüssen, in denen Zeugen aussagen, sehr genau am Wortlaut orientieren. Fachberatungen erlauben die größten redaktionellen Eingriffe. Die Protokolle von Plenardebatten liegen in der Mitte.

  • Liest überhaupt jemand die Protokolle? Open or Close
    Antwort:
    Oh ja! Die Nachfrage ist groß: Politiker, Journalisten, Histo­riker, Lehrer und politisch interessierte Bürger möchten gern (nach)lesen und zitieren können, was in Debatten gesagt wurde. Eine Tonaufnahme hilft da in der Regel nicht weiter.

  • Und sonst? Open or Close

    Antwort:
    Für viele Sitzungen schreiben Gesetze und Geschäfts­ordnungen Öffentlichkeit vor. Diese wird durch die Protokollierung gewährleistet. Öffentliche Sitzungen lassen sich anhand der Proto­kolle jederzeit von allen Interessierten, die die Debatten nicht immer live im Saal oder über Medien verfolgen können, nachvollziehen.

    Simona Roeßgen, Düsseldorf

    Ein aktuelle Darstellung des Berufsbildes mit einer Adressliste aller Stenografischen Dienste in Deutschland finden sie hier als pdf-Dokument.

150. Todestag von Wilhelm Stolze

Einen unschätzbaren Beitrag zur Schaffung einer Kurzschrift, mit der Parlamentsdebatten aufgenommen werden konnten, hat Wilhem Stolze geleistet. Er war gleichsam der Urvater der Berliner Parlamentsstenografen. Zur Erinnerung an ihn, dessen Todestag sich dieses Jahr zum 150. Mal jährt, mögen die Artikel von Rudolf Eggeling "Zum 100. Todestag Wilhelm Stolzes" aus dem Jahr 1967 und aus dem "Neuköllner Tageblatt" von 1917 dienen.