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aus: NStPr 57/4 (2009)

Die Deutschen Meisterschaften in deutscher und englischer Kurz­schrift, Texterfassung, Textbearbeitung/Textgestaltung und Praxis­orientierter Textverarbeitung fanden vom 30. April bis 3. Mai 2009 in Luckenwalde, einem kleinen Städtchen im südlichen Brandenburg, statt. 1216 wurde der Burgward Luckenwalde das erste Mal urkund­lich erwähnt. Die Zinnaer Mönche ließen die Luckenwalder Burg nach 1285 wegen angeblicher Baufälligkeit abreißen und verwende­ten das Abrissmaterial für den Bau einer Kirche. Ein Wahrzeichen von Luckenwalde ist der in seiner ältesten Bausubstanz aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammende 38 Meter hohe Marktturm, der von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Meisterschaften be­stiegen werden konnte. Seit dem Jahr 1484 dient er als Glockenturm der Pfarrkirche St. Johannis.

Die PC‑Wettbewerbe am Himmelfahrtstag wurden in der Fläming­halle ausgetragen, die den Schreiberinnen und Schreibern hervor­ragende Wettbewerbsvoraussetzungen bot. Am folgenden Tag wurde im Luckenwalder Oberstufenzentrum in Kurzschrift um die Wette geschrieben.

Nach den anspruchsvollen Texten der vergangenen Jahre dürften die Stenografen bei den diesjährigen Meisterschaften wieder versöhnlich gestimmt worden sein, enthielt der Text doch zahlreiche Wendungen und Wortgruppen, die das Herz eines jeden Stenografen im wahrsten Sinne des Wortes höher schlagen ließen. Die gute Schreibbarkeit der Texte spiegelt sich in der Ergebnisliste wider: In allen Stenoklassen haben lediglich zehn Wettschreiberinnen bzw. Wettschreiber nicht bestanden.

Deutscher Meister in deutscher Kurzschrift wurde einmal mehr Marco Hoffmann vom Stenographen‑Zentralverein Gabelsberger in Mün­chen mit der Leistung von 475 Silben. Jutta Wichmann vom Stenografen­verein Leipzig wurde mit 450 Silben Zweite, und die Bronzemedaille erhielt Manfred Kehrer, ebenfalls vom Stenografen­verein Leipzig, für die Leistung von 425 Silben.

Deutsche Meisterin in englischer Kurzschrift wurde mit 200 Silben in der Praktikerklasse 2 Petra Dischinger, die für den Verband der Parla­ments- und Verhandlungsstenografen antrat. Die Plätze zwei und drei belegten Uwe Schwab vom VKMB Offenbach mit 200 Silben in der P 2 und Regine Hoppe vom Stenografenverein Langen (160 Silben, P 1).

Die Ergebnisliste in der Kombinationswertung wurde von Olaf Rört­gen vom Vestischen Steno‑Club angeführt. Danach folgten Martina Wichers vom Stenografenverein Soltau auf dem zweiten und der Verfasser dieses Artikels auf dem dritten Platz.

Die Organisation der Meisterschaften lag in den Händen der emsigen Vorsitzenden des Stenografenvereins „Pelikan", Rita Lehmann, und ihres Teams. Ihnen sei an dieser Stelle für den reibungslosen Ablauf der Meisterschaften sehr herzlich gedankt.

Im kommenden Jahr werden die Deutschen Meisterschaften in Marktredwitz im schönen Oberfranken ausgetragen. Gerade landschaft­lich hat diese Region nahe der tschechischen Grenze sehr viel zu bieten. Einen Besuch wert ist auf jeden Fall das Felsen­labyrinth Luisenburg. Aber auch ein Abstecher in die oberfränkische Regierungshauptstadt Bayreuth mit seinem Festspielhaus sowie dem Deutschen Schreibmaschinenmuseum bei der Forschungs- und Ausbildungsstätte für Kurzschrift und Textverarbeitung lohnt sich.

150. Todestag von Wilhelm Stolze

Einen unschätzbaren Beitrag zur Schaffung einer Kurzschrift, mit der Parlamentsdebatten aufgenommen werden konnten, hat Wilhem Stolze geleistet. Er war gleichsam der Urvater der Berliner Parlamentsstenografen, wie auch ein Brief Bismarcks an ihn zeigt. Zur Erinnerung an seinen Todestag mögen die Artikel von Rudolf Eggeling "Zum 100. Todestag Wilhelm Stolzes" aus dem Jahr 1967 und aus dem "Neuköllner Tageblatt" von 1917 dienen.