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aus: NStPr 57/4 (2009)

A. Pepys' Tagebücher

Was die berühmten Tagebücher von Samuel Pepys aus den Jahren 1660 bis 1669 mit ihren mehr als 1 250 000 Wörtern angeht, so weiß man seit ihrer Wiederentdeckung und Transkription zu Anfang des 19. Jahrhunderts, dass sie nicht in Geheimschrift, sondern in Shelton'scher Stenographie geschrieben sind, genauer: nach Thomas Sheltons System Short Writing von 1626, das 1635 die Bezeich­nung Tachygraphy erhielt und bis 1710  22 Auflagen erlebte.

 

Pepys (1633 – 1703), in hoher Verwaltungsposition im Navy Board tätig, dem Flottenamt der britischen Krone, daneben musikalisch, poetisch und wissenschaftlich ambitioniert, Fellow der Royal Society und in den 1680er‑Jahren deren Präsident, war zeit seines Lebens Anwender der Kurzschrift. Er wird sie als Student am Magdalene College der Universität Cambridge erlernt haben. Denn als er mit dem Datum 1. Januar 1660 die Aufzeichnungen begann, schrieb er bereits so flüssig und sicher, dass eine längere Praxis angenommen werden muss.

Er nutzte die arbeitserleichternde Schrift in umfassender Weise: zum Beispiel bei der beruflichen Schreibarbeit, namentlich im Navy White Book, dem dienstlichen Journal der Jahre 1664 – 1672,1 in der Korres­pondenz mit anderen Stenographiekundigen,[2] in seinen parlamentari­schen Mitschriften des Jahres 1677 (als Member of Parliament für die Schiffsbauregion Harwich), in dem während seiner Abordnung nach Tanger 1683 geführten Notebook, dem Second Diary, wie es manchmal genannt wird, bei der wörtlichen Aufnahme der Erzählung Charles' II. über seine abenteuerliche Flucht nach der Schlacht von Worcester, wo er von Cromwell besiegt worden war und sich bis zur Normandie durchgeschlagen hatte,[3] ja, und eben bei der Niederschrift eines der größten Tagebücher aller Zeiten, wenn nicht des größten.

Pepys kann auch als der erste Sammler stenographischer Literatur angesehen werden. Er besaß im stenographischen Teil seiner gro­ßen Bibliothek 32 Titel von 22 Systemerfindern – von Timothy Bright (1588) bis Abraham Nicholas (1692); das Lehrbuch von Thomas Heath aus dem Jahre 1644, das nur noch in einem Exemplar vorhan­den ist, stammt aus seiner Bibliothek.[4]

Bei einem solchen Freund der flying pen war es naheliegend, dass er sich die Kurzschrift auch für sein ausführlich gehaltenes Tagebuch zu Nutze machte; wir kommen darauf noch zurück.

Gar eine kryptographische Methode anzuwenden, hätte nicht nur ei­nen hohen Zeitaufwand bedeutet, sondern wäre kontraproduktiv gewe­sen. Denn Pepys ging es durchaus um Wiederlesbarkeit seiner Aufzeichnungen. Wenn er auch nicht an zeitgenössische Leser dachte, so doch an spätere – eine These, die auch von den Heraus­gebern Latham und Matthews vertreten wird.[5] Das Tagebuch hatte ja nicht nur eine autobiographische Dimension; vielmehr war dem gebilde­ten Schreiber sehr wohl bewusst, dass unter seiner Feder ein Zeitporträt der Restaurationsepoche entstand, das für die Nachwelt von größtem Interesse sein müsste. Man denke beispielsweise an seine Schilderungen der Pest von 1665, die in der Hauptstadt und dem Umland 100 000 Menschen dahinraffte, des Londoner Brandes von September 1666, bei dem 13 000 Häuser und 87 Kirchen zugrunde gingen, des 2. Seekrieges gegen die Niederlande von 1665 – 67, der Krönung von Charles Stuart zum König von England am 23. April 1661, all der Schauspielaufführungen jener 9½ Jahre (das Tagebuch zählt 351 Theaterbesuche), aber auch der Merkwürdig­keiten anderer Art, wie die Hinrichtung eines bekannten Diebes, die 12 000 bis 14 000 Zuschauer anlockte, u. Ä. mehr.

So verwahrte er denn seine Papiere sorgfältig – wie sich explizit aus Eintragungen vom 31. Dezember 1664 und 13. Juni 1667 er­gibt –, ließ sie 6‑bändig solide in Leder binden und vermachte sie mit der Bibliothek seinem Neffen John Jackson, der alles dem Magdalene College zu übereignen hatte (was 1724 auch geschah). Das muss ihm die Gewähr gewesen sein, nicht für die Schublade geschrieben zu haben. Seine ehemalige Universität werde – wenn nicht heute, dann morgen – auf die Manuskripte stoßen, ihren Wert erkennen und sie der Nachwelt zugänglich machen. „Non omnis moriar" (nicht ganz werde ich sterben), so mag er sich als Kenner der römischen Klassi­ker mit Horaz gesagt haben.

Dass man die Kurzschrift werde identifizieren und lesen können, hielt er bei der Bekanntheit des Systems Shelton für sicher. Und das bestätigte sich: Der junge John Smith, der sich von 1819 bis 1822 im Auftrag von Richard Neville, dem späteren (ab 1825) Lord Braybrooke, an die erste Übertragung setzte,[6] hatte zwar mit man­chen Stellen zu kämpfen, die außerordentlich klein geschrieben oder wegen durchscheinender Zeichen der Rückseite schwer zu erkennen waren; er musste sich mit vereinzelten Schreibfehlern (slips of the pen) abgeben oder die wenigen privaten Zeichen erschließen, die sich Pepys zusätzlich zu den 300 arbitrary symbols des Systems ausgedacht hatte (auch zur Interpunktion, wie Bindestriche, Rede­zeichen u. a.) – aber die prinzipielle Wiederlesbarkeit des alten steno­graphischen Textes war gegeben.

Nach der von Bright und Wheatley zu Ausgang des 19. Jahrhunderts erstellten verbesserten und vervollständigten Standardausgabe[7] liegt seit den 1970er‑/1980er‑Jahren die letztgültige musterhafte Über­tragung durch Latham und Matthews vor.[8]

Wie schon angedeutet, kam in der Vergangenheit außerhalb der Fachwelt immer wieder die Rede von der angeblichen Geheimschrift der Tagebücher auf. Noch aus heutiger Zeit ließen sich zahlreiche Belege beibringen. Selbst in Lexika, den Auskunftsmitteln par excellence, schlägt sich die irrige Ansicht nieder, so im Großen Herder, Bd. 7, 1955, Sp. 212: „... in Geheimschrift geschrieben und erst 1825 entziffert", oder auch im Larousse, hier der holländischen Ausgabe: „Zijn Diary, dat hij in geheimschrift bijhield ... door John Smith ontcijferd" (Grote Nederlandse Larousse Encyclopedie, Bd. 18, 1977, S. 652). Auch in der neuesten Brockhaus‑Enzyklopädie (Bd. 21, 2006, S. 187: „... ein z. T. in eigener Geheimschrift geschrie­benes Tagebuch") sucht man das Wort „Kurzschrift" vergebens.

Weil die altgeometrischen Kurzzeichen in den Augen von Nicht­stenographen in der Tat einen kryptischen Eindruck zu erwecken vermögen, mag sich das Missverständnis hieraus erklären. Vielleicht trug zum Missverständnis auch bei, dass im Tagebuch zuweilen ein Gemisch des englischen stenographischen Textes mit fremd­sprachli­chen Vokabeln in Langschrift auftaucht – oft Spanisch, natür­lich Latei­nisch, auch Griechisch in kyrillischen Buchstaben, z. B. am 23. August 1665, u. a. mehr. – Worum geht es hier? Wir haben es an solchen Stellen mit den kleinen amourösen Erlebnissen zu tun, für deren offenherzige Erwähnung Pepys bekannt ist und für deren Schilderung er es liebt, vom regulären Gang seiner Schrift abzu­weichen. [9] Ab Mai 1667 wählt er für diese Passagen eine andere Art der Verfremdung. Er fügt nämlich in die Silben der stenographischen Wortbilder einzelne Zusatzkonsonanten ein: l, r, m oder n. Beispiels­weise lautet am 31. Mai 1667 einer der Sätze: „I did put my hand to her belly." Daraus wird, unter Beachtung der Vokalstellen, die Schreibung: „I dild punt mini harand toli hemr benleri."

Gegen die Geheimschrift-Behauptung wenden sich aber mit Recht alle namhaften Pepys-Herausgeber. Um ein Tagebuch „in a secret cipher" handele es sich natürlich nicht, sagt der englische Historiker de la Bédoyère, denn „the Diary was easily decipherable by anyone familiar with Shelton's system".[10] Und Chappell stellt gegenüber: „A cipher is a system of secret writing that is intended to be unintelligible to all but those who hold the key ... A system of shorthand is a means of rapid writing, and has no aims at secrecy at all".[11]

Auch die erwähnten Verfremdungen der heiklen Stellen (die in Rela­tion zum Gesamtwerk sowieso nur einen minimalen Teil ausmachen) sind keine Geheimschrift. Es waren spielerische Marotten des Schreibers, der ja „echte" Kryptographie überhaupt nicht anstrebte.

Vor allem ist die fremdsprachliche Beimischung bei hinreichender Fremdsprachenkenntnis ohne weiteres aufzulösen. Dies umso mehr, wenn es sich, so wie etwa bei der Beschreibung eines intensi­ven Tête‑à-Tête mit Mrs Lane am 16. Januar 1664, nur um französi­sche Wörter handelt. Gerade für Mrs Pepys wäre dies keine Hürde gewesen: Sie war eine geborene Marchant de Saint-Michel.

Ebenso sind die durch Zusatzkonsonanten veränderten Schriftbilder nicht ernsthaft problematisch. Bereits um 1820 kam John Smith mit den Stolpersteinen gut zurecht. Am einfachsten ist die Lösung natür­lich dort, wo Pepys, wie es mehrmals in der Schnelle vorkommt, nicht den ganzen Satz, sondern nur eines der Wörter verhüllt. Zufällig fin­den wir ein solches Beispiel auch in der unten abgedruckten Tagebuch­seite. Hier schreibt er, seine Affäre mit Deb –– das heißt mit dem Hausmädchen Deborah Willet – sei nun zu Ende: „Now my amours to Deb are past" [in der Klammer, 3./4. Zeile]. Doch nur der Name Deb wird leicht verschleiert, wie man sieht durch Einfügung eines „l". Das genauso verräterische Wort „amours" erscheint sogar in Langschrift.

Aus all dem folgt: Die Tagebücher sind für Systemkenner fast durch­weg gut lesbar. „Pepys's shorthand is almost always extraordinarily neat and clear."[12] Auch gewisse Verdunkelungen im Text lassen sich lichten und fallen nicht ins Reich der Geheimschrift.

B. Karaseks Irrtum

Niemand aber verkennt diese Kurzschrift besser als Hellmuth Karasek. In einer seiner vielgelesenen Kolumnen in der „Berliner Morgenpost" nimmt er sich auch unseres Diaristen an, vermittelt ein anschauliches Bild des Mannes und der Zeit – und hat eine Erklä­rung parat zum Wie und Warum der Schrift: Pepys habe oftmals verfängliche Bekenntnisse in seine Notizen einfließen lassen. Welch ein Risiko. Wäre seine Frau darauf gestoßen, hätte der Haussegen schief gehangen. Darum habe er sich für das Ganze zu einer anders­artigen Schrift entschlossen: „Er schrieb die Tagebücher in Spiegel­schrift, damit seine Frau es nicht lesen konnte."[13]

Spiegelschrift? Das ist natürlich voll daneben. Und die vermutete Neugier der Ehefrau Elizabeth? Halb daneben ist auch vorbei. Zwar wäre es dem Ehemann wohl wirklich höchst unangenehm gewesen, hätte seine Frau von den Eskapaden Kenntnis erlangt, die er so freimütig festhielt. Das sei nicht bestritten. Trotzdem kann das nicht als Grund für die Nichtanwendung der Langschrift ausgegeben wer­den. Denn in Wahrheit wusste Elizabeth von der Tagebuch­schreiberei ihres Mannes nichts; es gibt dafür keinerlei Hinweis. Wie hätte sie also zu heimlichen Nachforschungen kommen sollen?

Auch anderen gegenüber wahrte Pepys in dieser Hinsicht weitest­gehend Schweigen. Man höre seine Eintragung vom 9. März 1669:

Ich traf Sir W. Coventry, der gerade Tagebuch schrieb, in dem er, wie er sagte, seit kurzem das Wichtigste festhalte. Ich erzähl­te ihm daraufhin – und glaube, er ist der Einzige, dem ich es je erzählt habe –, dass ich schon seit acht oder zehn Jahren streng Tagebuch führe.

Darauf folgt die aufschluss­reiche Bemerkung: „... and I am sorry almost that I told it him."

So wundert es nicht, dass auch Will Hewer, Pepys' Sekretär, der zeitweise mit im Hause wohnte und sich in den Akten, Büchern und Papieren seines Dienstherrn und Freundes auskannte, über die „Stenohefte" nicht im Bilde war. – Sie lagen mit Sicherheit sehr gut verwahrt.

Bei soviel Verschwiegenheit sah sich Pepys überhaupt nicht in der Gefahr, dass Unberufene seine Niederschriften mitläsen, und folglich lag hier nicht der Grund dafür, dass er nicht in Langschrift schrieb. Entscheidend für ihn war vielmehr die Schreiberleichterung. Man muss sich sein tägliches Pensum vor Augen halten: Tagsüber im Dienst geht er mit oft gerühmtem Fleiß, der seine Karriere fördert, den Berufsaufgaben nach. „Aber abends und nachts oder am frühen Morgen schließt er sich in seinem Kabinett ein und schreibt."[14] Wenn er unter den Umständen ein Riesenwerk zustande bringt – es sind am Ende 3 100 Seiten –, so durch den unschätzbaren Vorteil seiner kurzen und schnellen Schrift. Nur deswegen und nicht mit Verheimlichungs­absichten entschied er sich für shorthand/tachygraphy.

Hätte sich Hellmuth Karasek doch eingehender informiert. Es wäre die Chance gewesen, den Zeitungslesern das Great Diary in seiner ganzen Besonderheit vorzustellen: nicht nur als Werk der Welt­literatur, sondern auch als Werk der Stenographie, einer Kunst, ohne die es wohl nicht entstanden wäre.

Hier die letzte Tagebuchseite, mit Pepys' Siegel und dem von Cicero stammenden Wahlspruch „mens cujusque is est quisque":

NStPr_2009_4_pepy

Die Schrift zeigt sich hier wie schon seit 1668 größer und weit­räumiger als in den Jahren davor. Dies lag an einer Augenschwäche des Autors, die sich schnell entwickelt hatte. Er schrieb zuweilen nur „with the help of an optical tube", fürchtete, zu erblinden, und gab mit­ten im Jahr 1669 die Tagebuchführung auf. Zu seinem Glück trat aber Anfang der 1670er‑Jahre eine weitgehende Besserung ein.

Die Übertragung – beschränken wir uns auf die letzten sechs Zeilen hinter der Klammer – lautet:

I must endeavour to keep a margin in my book open, to add here and there a note in short-hand with my own hand. And so I betake myself to that course which [is] almost as much as to see myself go into my grave – for which, and all the discomforts that will accompany my being blind, the good God prepare me.

May. 31.1669.                                                                     S.P.

 

 


[1] Samuel Pepys and the Second Dutch War. Pepys's Navy White Book and Brooke House Papers. Transcribed by William Matthews and by Charles Knighton, edited by Robert Latham. Cambridge 1995.

 

[2] Shorthand letters of Samuel Pepys. 1664 – 1676. Transcribed & edited by Edwin Chappell. Cambridge 1933. – Ein Großteil der Briefe ist an Lord Sandwich gerichtet und an den weiter unten erwähnten Sir Wm. Coventry. Bei dem Earl of Sandwich handelt es sich um Pepys' älteren Cousin und Förderer, Sir Edward Mountagu. Der befreundete Coventry war Sekretär des Lord High Admiral.

[3] William Matthews: Charles II's Escape from Worcester. Berkeley 1966.

[4] Bibliotheca Pepysiana. A Descriptive Catalogue of the Library of Samuel Pepys. Part IV. Shorthand Books [S. 29 – 46]. With Biographical and Bibliographical Notes, by William J. Carlton. London 1940. (Pepys' Bibliothek umfasste 3 000 Bände und gehörte damit zu den größten Privatbibliotheken der Zeit.) – Als erster Steno‑Bibliophiler wird von einigen Autoren Elisha Coles gerühmt. Wirklich zu Recht? Denn ob Coles die von ihm aufgelisteten Bücher [The Newest, Plainest, and the Shortest Short-hand, London 1674, S. 1 f.] auch tatsächlich besessen hat, ist – anders als bei Pepys – nirgends nachgewiesen.

[5] S. Anm. 8. Dort Bd. 1. Einführung. S. XIV.

[6] Memoirs of Samuel Pepys, Esq., Secretary to the Admiralty in the reigns of Charles II. and James II., comprising his diary from 1659 to 1669, deciphered by the Reverend John Smith from the orig. short-hand ms. and a selection from his private correspondence. Ed. by Richard, Lord Braybrooke. London 1825. [2 Bde.] –Die Zusammenarbeit der beiden Akteure war offenbar nicht ganz reibungslos. So bemängelte Smith (gest. 1870) in späteren Jahren, Neville habe unfachmännisch in die Übertragungen eingegriffen und für die Veröffentlichung viel zu viel gekürzt. Neville hatte im übrigen ursprünglich versucht, den berühmten William Brodie Gurney, damals Stenograph im House of Commons, für die Aufgabe zu gewinnen. Dieser hatte allerdings abgesagt. Er soll das zugrundeliegende System nicht erkannt haben.

[7] The Diary of Samuel Pepys, M.A., F.R.S. Transcribed by Minors Bright; with Lord Braybrooke's notes. Edited, with additions, by Henry B. Wheatley. London 1893 – 99 [10 Bde.]. – Im „Archiv für Stenographie" wurde lediglich das Erscheinen des 1. Bandes erwähnt [46. Jg., 1894, S. 16]. Eine Rezension im eigentlichen Sinne fand nicht statt, und erstaunlicherweise kam die Redaktion auch später auf dieses Werk nicht mehr zurück.

[8] The Diary of Samuel Pepys. A new and complete transcription edited by Robert Latham and William Matthews. London 1970 – 83 [11 Bde.].

[9] Pepys' lockerer Wandel muss vor dem Hintergrund der Zeit gesehen werden. Das Treiben bei Hofe unter Charles II. war alles andere als fromm und sittsam, und auch die Kollegen legten sich keine strengen Zügel an. So liest man beispielsweise in der Eintragung vom 08.02.1663, ein Captain der Garde, der befreundete Robert Ferrers, sei verspätet zum Wachdienst erschienen. Daraufhin der fluchende und schimpfende Vorgesetzte, Sir Charles Berkeley: Er wisse zwar, dass ein Gentleman ein- bis zweimal die Woche zu seiner Hure müsse [once a week or so, I know a gentleman must go to his whore], und wolle dies auch keinem verwehren, aber er bestehe auf einer ordnungsgemäßen Abmeldung.

[10] The Letters of Samuel Pepys. 1656 – 1703. Edited by Guy de la Bédoyère. Woodbridge 2006. S. 8.

[11] Edwin Chappell. S. Anm. 2. Vorwort S. x.

[12] William Matthews (s. Anm. 7) in der Einführung des 1. Bandes [1660]. S. lxvii.

[13] „Berliner Morgenpost", 04.02.2007, S. 1: Der erotische Pieps.

[14] Willi Winkler: Ein barocker Dandy geht durch die Stadt. Vor 300 Jahren, am 26. Mai 1703, starb Samuel Pepys. In: Literaturen. 4 (2003). Heft 5. S. 76 – 81. Zitat S. 79.

150. Todestag von Wilhelm Stolze

Einen unschätzbaren Beitrag zur Schaffung einer Kurzschrift, mit der Parlamentsdebatten aufgenommen werden konnten, hat Wilhem Stolze geleistet. Er war gleichsam der Urvater der Berliner Parlamentsstenografen. Zur Erinnerung an ihn, dessen Todestag sich dieses Jahr zum 150. Mal jährt, mögen die Artikel von Rudolf Eggeling "Zum 100. Todestag Wilhelm Stolzes" aus dem Jahr 1967 und aus dem "Neuköllner Tageblatt" von 1917 dienen.