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aus: NStPr 56/1 (2008)

Einen unglaublichen Siegeszug hat in den neun Jahren seit ihrem Bestehen die Suchmaschine Google vollzogen: In Deutschland beträgt ihr Marktanteil um die 90 Prozent. Sie basiert auf dem genialen Gedanken, nicht nur eine Liste von Seiten auszuwerfen, auf denen die gesuchten Begriffe vorkommen, sondern diese Suchergebnisse auch nach ihrer Relevanz zu bewerten: Eine Seite steht im Google-Ranking umso höher, je mehr Seiten im Internet auf diese Seite verweisen. Fast alle anderen aus der Anfangszeit des Internets stammenden Suchmaschinen[1], die meist nur zufällige Treffer in ihrer Datenbank erfassen, fristen seitdem ein Schattendasein. Auch dem eigentlich so übermächtigen Microsoft-Konzern ist es trotz aller Anstrengungen nicht gelungen, mit seiner Suchmaschine MSN Live Search das derzeit vorherrschende Quasimonopol von Google zu durchbrechen. Nichtsdestotrotz ist es aus verschiedenen Gründen der Mühe wert, neben der eingehenden Beschäftigung mit den Möglichkeiten der Suche bei Google über Suchstrategien jenseits von Google nachzudenken (vgl. Kapitel 1, „Begriffs- bzw. Namenssuche").

 

Zum Ersten unterliegt Google, das in seiner Anfangszeit fast völlig auf Werbung verzichtete, als mittlerweile auf dem internationalen Finanzmarkt agierende Aktiengesellschaft einem zunehmenden Trend zur Kommerzialisierung: So ist davon auszugehen, dass vordere Plätze auf der Trefferliste zu bestimmten Suchworten an den Meistbietenden verkauft werden. Vor diesem Hintergrund kann es sich also lohnen, über Alternativen zu Google wenigstens Bescheid zu wissen.

Zum Zweiten wird von interessierten Kreisen versucht, die Weiterverbreitung bestimmter im Netz vorhandener Informationen zu verhindern. Welcher Weg wäre einfacher als der, die weltweit führende Suchmaschine durch Androhung gerichtlicher Schritte etc. dazu zu bringen, diese Informationen einfach nicht mehr auszugeben. Google selber berichtet darüber zwar unter dem Stichwort „Chilling Effects" [2], aber Fälle wie die Entfernung einiger N24-Interviews des deutschen Journalisten Ulfkotte im Mai 2007 von Google-Seiten wurden nicht dokumentiert.

Zum Dritten hat gerade in den letzten Jahren eine gewaltige Ausdifferenzierung im Netz stattgefunden. So ist es heute problemlos möglich, von einem Handy aus schriftliche Informationen, Bilder oder Videos direkt ins Netz zu stellen. Diese zunehmende Interaktivität wird gerne unter dem Begriff „Web 2.0" zusammengefasst. Da es für Suchmaschinen unmöglich ist, diese im Sekundentakt ins Netz gestellte Masse an Informationen sofort zu erfassen, hinken sie immer Stunden, wenn nicht Tage hinterher. Um brandaktuell an solche Informationen zu kommen, bietet es sich an, auf die sogenannte Blogsuche zurückzugreifen (vgl. Kapitel 2, „Newssuche"). Außerdem werden immer mehr Informationen, die bisher nur in gedruckter Form vorlagen, in digitaler Form ins Netz gestellt. Für die Suche nach diesen meist sehr komplexen Informationen gibt es mittlerweile einige sehr hilfreiche Verfahren (vgl. Kapitel 3, „Lexika- und Literatursuche").

150. Todestag von Wilhelm Stolze

Einen unschätzbaren Beitrag zur Schaffung einer Kurzschrift, mit der Parlamentsdebatten aufgenommen werden konnten, hat Wilhem Stolze geleistet. Er war gleichsam der Urvater der Berliner Parlamentsstenografen. Zur Erinnerung an ihn, dessen Todestag sich dieses Jahr zum 150. Mal jährt, mögen die Artikel von Rudolf Eggeling "Zum 100. Todestag Wilhelm Stolzes" aus dem Jahr 1967 und aus dem "Neuköllner Tageblatt" von 1917 dienen.