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aus: NStPr 55/2 (2007)

Am 22. Juli 2006 erschien rechtzeitig zum Inkrafttreten der vorerst wohl letzten Stufe der Rechtschreibreform am 1. August 2006 die 24., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage von „Duden ‑ Die deutsche Rechtschreibung". Gegenüber der erst zwei Jahre vorher erschienenen 23. Auflage mit 1152 Seiten ist der Umfang weiter gestiegen. Er beträgt jetzt 1216 Seiten. Enthielt die vorige Auflage noch 125 000 Stichwörter, so sind es jetzt rund 130 000 geworden. Das Wörterverzeichnis ist von 995 auf 1 008 Seiten angewachsen.

Von den rund 3 500 neuen Stichwörtern sind einige im Duden-Newsletter vom 28. Juli 2006 genannt worden: Auflaufkind, Blog, E-Pass, Kopfpauschale, Phishing, Telenovela, voipen, Weblog. Im Vorwort zur 24. Auflage werden darüber hinaus genannt: Brötchentaste, Jobcenter, Plasmafernseher. Die Auswahl zeigt, wie sich Informationstechnik, Multimedia, Sport und Politik auf unseren Wortschatz auswirken. Wie seit mehr als 100 Jahren registriert die Dudenredaktion getreu die Entwicklung des deutschsprachigen Wortschatzes. In jeder Auflage verschwinden auch Stichwörter, ohne dass das besonders herausgestellt wird.

Erstmals präsentiert sich der Rechtschreibduden vierfarbig. Die rote Kennzeichnung der Neuerungen durch die Rechtschreibreform gibt es schon seit 1996 für durch die Reform geänderte Schreibungen. 2006 ist die gelbe Hintergrundfarbe für Schreibempfehlungen bei Schreibvarianten hinzugekommen. Solche Empfehlungen werden zu knapp 3 000 möglichen Mehrfachschreibungen gegeben. Damit soll bei der Wahrung einer einheitlichen Schreibung überall dort geholfen werden, wo diese für erforderlich gehalten wird. Hier als Beispiele einige der Empfehlungen an erster Stelle, an zweiter Stelle die gleichberechtigte, aber eben nicht empfohlene Schreibung:

Aktuelle Stunde                  aktuelle Stunde

Ayatollah                              Ajatollah

Epigraf                                  Epigraph

epochemachend                Epoche machend

kennenlernen                     kennen lernen

Kennnummer                      Kenn-Nummer

Kellog-Pakt                          Kellogpakt

Die Schreibempfehlungen gelten übrigens nicht nur für durch die Reformen 1996, 2004 und 2006 eingeführten Schreibungen, sondern auch für schon davor mögliche Mehrfachschreibungen. Begründet wird die Auswahl in den Hinweisen Zur Wörterbuchbenutzung, Seiten 17 bis 20, für viele Leser dieser Zeitschrift sicher Pflichtlektüre.

Auch blauer Hintergrund wird genutzt. Der Benutzer findet ihn bei 300 Informationskästen, in denen für einzelne Wörter häufig auftretende Probleme übersichtlicher zusammengestellt sind, als das im Text des Stichworts möglich gewesen wäre. In einzelnen solcher Kästen wird aber auch auf häufig vorkommende Fehler hingewiesen, z. B. bei Apartheid, Akquise, asozial, Trilogie, Bowle, Ekstase, euer, Litfaßsäule. Wünschenswert wäre ein solcher Kasten auch für transkribieren.

Der Duden 2006 vermittelt den mit der neuesten Rechtschreibung seit dem 1. August 2006 geltenden Stand. Die jüngste Reform hat vor allem auf dem Gebiet der Getrennt- und Zusammenschreibung manches inzwischen an Reformschreibung Eingeführte zurückgebaut. In diesen Fällen werden die Stichwörter wieder in Schwarzdruck als alte Rechtschreibung gekennzeichnet, auch wenn noch bis zum Sommer 2007 übergangsweise die bisherigen Schreibungen (auch die reformierten, aber wieder abgeschafften) erlaubt sind. Es sei geraten, gegebenenfalls den Duden 2004 zu nutzen und ihn noch nicht in die Ecke zu stellen.

Umrahmt wird das Wörterverzeichnis auf den Seiten 151 bis 1159 von Übersichten mit Regeln. Am Schluss abgedruckt ist das Regelwerk zur deutschen Rechtschreibung in der Fassung von März 2006, allerdings ohne die Einleitung und ohne das zum Regelwerk gehörende amtliche Wörterverzeichnis, dessen Stichwörter freilich im Duden enthalten sind. Für das Nachschlagen hätte man sich wenigstens noch ein Inhaltsverzeichnis zum Regelwerk gewünscht.

Vorangestellt sind die dudeneigenen Übersichten, zunächst auf zwei Seiten die wichtigsten Regeländerungen seit 1996 im Überblick, dann die Betriebsanleitung „Zur Wörterbuchbenutzung". Bei der Übersicht über die wichtigen grammatischen Fachausdrücke fehlen viele der im amtlichen Regelwerk verwendeten neuen Begriffe, die man teilweise auch im Wörterbuch vergebens sucht. Sie werden meist auch im dudeneigenen Regelwerk „Rechtschreibung und Zeichensetzung" vermieden. Diese „Darstellung" ist alphabetisch nach Stichwörtern gegliedert und in Kennziffern unterteilt. Vom Wörterverzeichnis wird auf diese Darstellung verwiesen, dort wird dann der Bezug zum amtlichen Regelwerk hergestellt.

Weiter gibt es Übersichten zu „Textverarbeitung und E‑Mails", wofür zum Teil DIN 5008 berücksichtigt worden ist. Weitere Übersichten gelten der Gestaltung von Geschäftsbriefen, von geschäftlichen E‑Mails und der Textkorrektur. Darüber hinaus bieten Hilfe Tabellen für die Transkription und Transliteration griechischer und russisch-kyrillischer Buchstaben. Schließlich sind alte und neue Rechtschreibung mit „Häufig gebrauchten Neuschreibungen" gegenübergestellt. Oft findet man bei den Neuschreibungen das Wort „auch" für mögliche Schreibvarianten.

Mit geringem Aufpreis oder gesondert zum vollen Preis erhält man eine CD‑ROM zum Rechtschreibduden, deren Benutzung unbedingt zu empfehlen ist. Sie enthält das gesamte Wörterverzeichnis und auch alle Regelteile einschließlich des amtlichen Regelwerks. Über die verschiedenen Suchmöglichkeiten erhält man schnell und ohne umständliches Blättern die gewünschten Informationen. Auch eine Volltextsuche ist möglich. Im Rahmen der Office‑Bibliothek können weitere Nachschlagewerke, z. B. der Fremdwörterduden, in die Suche einbezogen werden. Die elektronischen Suchmöglichkeiten erschließen viele bis dahin gar nicht vermutete Zusammenhänge. Die Arbeit mit der CD‑ROM erübrigt weitgehend die Arbeit mit der Printfassung.

150. Todestag von Wilhelm Stolze

Einen unschätzbaren Beitrag zur Schaffung einer Kurzschrift, mit der Parlamentsdebatten aufgenommen werden konnten, hat Wilhem Stolze geleistet. Er war gleichsam der Urvater der Berliner Parlamentsstenografen, wie auch ein Brief Bismarcks an ihn zeigt. Zur Erinnerung an seinen Todestag mögen die Artikel von Rudolf Eggeling "Zum 100. Todestag Wilhelm Stolzes" aus dem Jahr 1967 und aus dem "Neuköllner Tageblatt" von 1917 dienen.