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aus: NStPr 54/2 (2005) 36–44

A.        Ausgangsüberlegungen

Im Rahmen der Vorbereitung der Fachtagung des Verbandes 2005 in Arnstadt wurde unter tatkräftiger Mithilfe insbesondere der Kollegen Köhler (Baden-Württemberg), Roeßgen (Nordrhein-Westfalen), Eifler (Saarland) und Büttner (Deutscher Bundestag) versucht, sich einen Marktüberblick über die Möglichkeiten digitaler Sprachaufzeichnung und -verarbeitung zu verschaffen. Sehr schnell wurde klar, dass die bisherige Unterscheidung in stationäre Geräte wie zum Beispiel Uher oder DAT-Rekorder und „kleine Freunde" wie Minidisk- oder Kassettenrekorder, mit denen aufgenommen und von denen dann auch bei der Erfassung des Textes abgespielt wird, auf das Feld digitaler Sprachaufzeichnung und -verarbeitung nicht ohne weiteres zu übertragen ist. Vielmehr scheint eine Ausdifferenzierung in drei Bereiche sinnvoll, nämlich, welcher Art ist die Digitalisierung, auf welchem Gerät wird das Tonsignal erfasst und wie wird es verarbeitet.

 

 

B.        Digitale Aufzeichnungsformate

Jede digitale Tonaufzeichnung beruht auf einer Kompression der analogen Ursprungsdaten. Standard auf der Windows-Plattform ist das Wave-Format (Dateiname: *.wav). In der Regel wird hier das Tonsignal 44 100-mal pro Sekunde abgegriffen; man spricht von einer Samplingrate von 44,1 kHz. Mit der Samplingtiefe wird bestimmt, wie fein Tonunterschiede aufgelöst werden; so lassen sich mit einer Samplingtiefe von 16 Bit, was 2 Bytes entspricht, 65 556 unterschiedliche Tonzustände darstellen. Für Stereo-Aufnahmen sind darüber hinaus zwei digitale Kanäle vonnöten. Eine fünfminütige Aufnahme in einer Tonqualität, die in etwa CD-Qualität entspricht, käme somit auf eine Speichergröße von 50,5 MB.[1] Eine auf diesen Parametern beruhende Datei wäre gerade bei längeren Aufnahmen extrem unhandlich. So hat man Komprimierungsprogramme entwickelt, die die Wave-Speichergröße auf etwa ein Zehntel der Originalgröße komprimieren, indem Signale, die für das menschliche Ohr nicht hörbar sind, extrahiert werden. Durchgesetzt hat sich mittlerweile fast flächendeckend das mp3-Format; daneben gibt es noch die sehr ähnliche Windows-Komprimierung wma und das von Olympus insbesondere für reine Sprachaufnahmen verwendete dss-Format. Mit 64 Kilobit pro Sekunde bekommt man mit mp3 eine Aufnahme, deren Qualität besser als die des Uher ist, mit 128 Kilobit pro Sekunde eine ausgezeichnete. Das ergibt (unabhängig vom Gerätetyp) 8 bzw. 16 Kilobyte pro Sekunde, also 28,8 MB bzw. 57,6 MB pro Stunde. Dateien dieser Größe lassen sich nun recht einfach kopieren, archivieren oder über Schnittstellen vom Aufnahmegerät zum Computer übertragen.

 

C.        Digitale Aufnahmegeräte

Die folgenden Tabellen geben einen natürlich nicht vollständigen und durch die technische Entwicklung bald wieder überholten Überblick über digitale Aufnahmegeräte im Frühjahr 2005. Ausgewählt wurden nur Geräte, die eine gute bis sehr gute Tonaufzeichnung und -wiedergabe ermöglichen, wie sie zum Beispiel bei Anhörungen, Ausschussitzungen etc. erforderlich ist, also in akustisch anspruchsvollen Umgebungen. Somit wurden für reine Sprachaufzeichnung im ruhigen Büro konzipierte digitale Diktiergeräte nicht berücksichtigt. Die Unterscheidung wurde nach Größe bzw. verwendeter Plattform vorgenommen, wobei hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der Geräte die Grenzen häufig verschwimmen. Besonderes Augenmerk ist neben den schon aus der analogen Welt bekannten Kriterien wie Batterielaufzeit und Aufnahmequalität sowie den oben behandelten Fragen - entstehendes Datenvolumen pro Stunde und verwendetes Datenprotokoll -auf folgende Aspekte zu richten:

Austauschbarkeit der Datenträger: Gerade bei verschiedenen, zeitlich eng beieinander liegenden Aufzeichnungen kann es wichtig sein, ob - analog zu Tonbändern oder Kassetten - die Speichermedien ausgetauscht werden können. Die Compact-Flash-Karte (CF-Karte) bietet hier wohl das beste Handling und mit derzeit bis zu 8 GB auch den größten Speicherumfang. Da bei großem Speicherumfang hier mit dem von IBM entwickelten Microdrive gearbeitet wird, scheint hier auch noch weiteres Entwicklungspotenzial vorhanden zu sein.

Anschluss externer Mikrofone: An PCs mit Soundkarte und Mikrofoneingang - dieser fehlt häufig bei Billig-Notebooks - kann in der Regel jedes Mikro angeschlossen werden. Es ist dann nur im Equalizer die entsprechende Feinabstimmung vorzunehmen. Dagegen können außer an den iRiver H320/340, den Edirol R-1 und die Marantz-Geräte Mikrofone meist nicht direkt an digitale Aufnahmegeräte angeschlossen werden. Hier ist jeweils, falls überhaupt eine Möglichkeit zu mp3-Aufnahmen über Line-in besteht, ein Vorverstärker erforderlich. Eine praktikable Alternative, die zugleich auch für die entsprechende Back-up-Sicherung sorgt, besteht darin, dass man kleine Aufnahmegeräte wie den iRiver aus der 500er- oder der 900er-Serie bzw. den Dreative MuVo Mikro direkt an den Kopfhörerausgang des Aufnahmegerätes, das man bisher auch genutzt hat (z. B. MiniDisc- oder Kassettenrekorder), anschließt und auf diese Weise in einem Arbeitsgang sowohl eine analoge wie auch eine digitale Aufnahme erzeugt.

Fehlende Aussteuerungsanzeige: Gerade bei Aufnahmen, wo die Tonsignale in unterschiedlicher Stärke - sei es über Mikrofon oder eine Tonleitung - den Stenografen erreichen, ist eine Kontrolle der Aussteuerung unerlässlich. Über diese verfügen leider nur die Geräte von Archos, Marantz und Edirol sowie die entsprechenden Computerprogramme. Bei allen anderen Geräten besteht die Gefahr, dass das Signal entweder zu schwach oder völlig übersteuert aufgenommen wird. Hier hilft nur, während der Aufnahme über Kopfhörer den Pegel zu kontrollieren und gegebenenfalls nachzusteuern bzw. den im letzten Absatz vorgeschlagenen Weg über ein konventionelles Aufnahmegerät mit entsprechender Aussteuerungsanzeige zu wählen.

 

Verglichene Geräte:

„Kleine Freunde": iRiver: 500er-/900er-Serie, Creative MuVo Mikro N200, Olympus DM-20, Sanyo ICR-B180NX

mittlere Größe (vergleichbar Dat-Rekorder): iRiver iHP-120, iRiver H320/340, Archos Jukebox Recorder 20

bis Uher-Größe: Edirol R-1, Marantz PMD 660, Marantz PMD670

Computergestützte Aufnahmeprogramme: Transcription Buddy Recorder Edition, waverec

[Tabelle zu den Parametern "verwendete Datenträger, max. Länge der Sprachaufzeichnung, mögliche Datenformate, Mikrofon: eingeb./ext., Aussteuerungsanzeige/Tastensperre, Back-up-Sicherung, Datenübertragung, Preisniveau, Stromversorgung/Dauer" im gedruckten Heft]

 

C.        Wiedergabe digitaler Sprachdateien

Aufgrund des häufig komplizierten Handlings und fehlender Anschlussmöglichkeiten für Fußschalter etc. empfiehlt sich zur Verarbeitung und Wiedergabe der aufgenommenen digitalen Tondateien die Verwendung computergestützter Programme. Hierzu ist es, falls nicht direkt vom entsprechenden Computer aufgenommen wurde, erforderlich, die Daten entweder per USB-Kabel oder durch Einstecken des entsprechenden Wechselmediums auf den Rechner zu übertragen. Auf Programme zur Umwandlung eines Dateiformates in ein anderes wird nicht explizit eingegangenen. Die Umwandlung einer wav- in eine mp3-Datei bzw. umgekehrt ist problemlos möglich. Einzig das von Olympus entwickelte dss-Format ist mit den anderen Formaten nicht ohne weiteres kompatibel.

 

Computergestützte Abspielprogramme: Transcription Buddy Player Edition, Philips SpeechMike 6277, Olympus DSS Player Transcription Software Kit

[Tabelle zu den Parametern "Datenformate, Fußschalter, Besonderheiten, Preisniveau" im gedruckten Heft]

Sowohl Philips als auch Olympus geben ihre Fußschalter mittlerweile fast ausschließlich im Set mit ihrer Software und einem Headset (Kopfhörer mit Mikro) ab. Mit etwas Glück erhält man für ca. 120 Euro den aktuellen Olympus-Fußschalter RS-26, der per USB-Kabel an den Computer angeschlossen werden kann. Das Modell Olympus RS-24 verfügt zusätzlich noch über eine serielle Schnittstelle, alle anderen Modelle sind zumeist nur an Olympus-Dockingstationen anschließbar. Alternativ zu den Olympus- bzw. Philips-Fußschaltern, die auch über Vor- und Rücklauftaste verfügen, bietet ein Spin-off-Unternehmen der Universität Marburg einen einfachen Fußschalter nur mit Start/Stop-Funktion für 99 Euro an (www.audiotranskription.de/#schalter). Die Integration in den Transcripition Buddy geschieht über eine Zusatzsoftware, die von der Firmen-Homepage (www.highcriteria.com) heruntergeladen werden kann und vor Anschluss des jeweiligen Fußschalters zu installieren ist.

Eine gute Hilfe ist die Tonhöhenmodulation, die bei Veränderung der Wiedergabegeschwindigkeit dafür sorgt, dass der aufgezeichnete Ton nicht wie zum Beispiel beim schnelleren Drehen von Schallplatten verzerrt wird.

 

[1] 44100 Hertz*2 Kanäle*2 Bytes*(5*60 Sekunden)=52920000 Bytes => 51679,69 kB => 50,5 MB

150. Todestag von Wilhelm Stolze

Einen unschätzbaren Beitrag zur Schaffung einer Kurzschrift, mit der Parlamentsdebatten aufgenommen werden konnten, hat Wilhem Stolze geleistet. Er war gleichsam der Urvater der Berliner Parlamentsstenografen, wie auch ein Brief Bismarcks an ihn zeigt. Zur Erinnerung an seinen Todestag mögen die Artikel von Rudolf Eggeling "Zum 100. Todestag Wilhelm Stolzes" aus dem Jahr 1967 und aus dem "Neuköllner Tageblatt" von 1917 dienen.