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aus: NStPr 3 (2009)

Die meisten von uns haben nur selten die Gelegenheit, Kunst und Kultur abseits der typischen Touristenwege im Reichstagsgebäude zu bewundern. Aber eigentlich hat es uns nicht aus verschiedenen Ecken Deutschlands (und aus Österreich) nach Berlin verschlagen, um unserem Kunstinteresse zu frönen, sondern schlichtweg um – zu lernen. Für das Wochenende vom 3. bis 5. April dieses Jahres organisierte der Verband der Parlaments- und Verhandlungsstenografen ein Trainingsseminar für diejenigen, die den Sprung von P 2 in die Meisterklasse schaffen wollen.

Nach der Anreise am Freitag versammelten wir uns am Samstagmorgen vor dem Eingang des Reichstagsgebäudes. Dort wurden wir von Waltraud Plickert, Parlamentsstenografin im Deutschen Bundestag, herzlich begrüßt. Trotz des strahlenden Sonnenscheins ließen wir uns von ihr ins Innere des Reichstagsgebäudes führen. Von dort gingen wir durch einen Tunnel in das damit verbundene Jakob‑Kaiser-Haus, in dem ein Raum für uns vorbereitet war.

Für das Stenotraining waren zwei Tage vorgesehen. Die Leitung der Trainingsblöcke am Samstag übernahm Matthias Kuhn und die Leitung am Sonntag Olaf Rörtgen. Diese besprachen mit uns verschiedene stenografische Kürzungsmöglichkeiten und mögliche (Verwechselungs-)Gefahren. Auch konnte durch Nachfragen wertvolles Wissen gewonnen werden. Um dieses Wissen anzuwenden, wurden Minutensätze diktiert, die mit dem von Matthias Kuhn entwickeltem Auszählprogramm „Silber" erstellt wurden. Freude kam auf, als wir das Ergebnis unserer Anstrengungen sahen: Tatsächlich schrieben wir bei den abschließenden Diktaten ein paar Silben mehr als am Anfang.

Allgemein ist dieses Training nicht als Konkurrenzveranstaltung zu anderen Stenoseminaren zu betrachten, da es einer speziellen Zielgruppe dient. Dies steht in engem Zusammenhang mit den immer weniger werdenden Möglichkeiten, die stenografischen Fertigkeiten in den (falls noch vorhandenen) ortsansässigen Vereinen zu steigern bzw. Stenografie überhaupt zu erlernen. Daher scheint es unabdingbar, dass nach neuen Möglichkeiten gesucht wird, um auch weiterhin begeisterte (Hobby-)Stenograf(inn)en zu gewinnen.

Am Sonntagnachmittag ging das Seminar an diesem nicht nur für die Politik (und damit für das parlamentsstenografische Tun) geschichtsträchtigen Ort zu Ende. Es war ein geselliges und lernintensives Wochenende, das mit viel Mühe und Sorgfalt geplant wurde. Sollte im nächsten Jahr eine ähnliche Veranstaltung stattfinden, werden die Teilnehmer/-innen sicherlich wieder begeistert nach Hause fahren.

150. Todestag von Wilhelm Stolze

Einen unschätzbaren Beitrag zur Schaffung einer Kurzschrift, mit der Parlamentsdebatten aufgenommen werden konnten, hat Wilhem Stolze geleistet. Er war gleichsam der Urvater der Berliner Parlamentsstenografen. Zur Erinnerung an ihn, dessen Todestag sich dieses Jahr zum 150. Mal jährt, mögen die Artikel von Rudolf Eggeling "Zum 100. Todestag Wilhelm Stolzes" aus dem Jahr 1967 und aus dem "Neuköllner Tageblatt" von 1917 dienen.