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aus: NStPr 59/1 (2011)

Am Abend des 22. Oktober fanden sich die Teilnehmer des vom Verband der Parlaments- und Verhandlungsstenografen veranstalte­ten Stenotrainingsseminars in Hannover ein. Das in einem mexikani­schen Restaurant veranstaltete erste Treffen bot den Teilnehmern in gemütlicher Atmosphäre Gelegenheit zum Kennenlernen bzw. Wieder­sehen, während exotische Speisen und Cocktails das kalte Herbstwetter vergessen machten. Ebenso wie die vergleichsweise geringe Anzahl von lediglich neun Teilnehmern am Vorabend zu ei­ner angenehmen Gesprächsrunde beitrug, ermöglichte sie am darauf­folgen­den Samstag einen konzentrierten ersten Trainings­block, durch den souverän Christof Stöck vom Stenografischen Dienst des Niedersächsischen Landtags führte. Durch das vielseitige Konzept, das ebenso die allgemein geschätzten Steigerungs­ansagen, aber auch praxisnahe Texte bei gleichbleibender Geschwindig­keit in unterschiedlicher Abstufung beinhaltete, fühlten sich alle Teilnehmer, angesiedelt zwischen Praktikerklasse 2 und Meisterklasse, gleichermaßen gefordert.

 

Unterbrochen wurden die ersten intensiven Trainingseinheiten in den Räumlichkeiten des Landtags durch Kaffeepausen, in denen die Teilnehmer – vertreten waren Stenografen aus den Parlamenten in Berlin, Kiel, Düsseldorf und Stuttgart sowie einige „Überzeugungs­täter" – Kürzungstechniken austauschten (angeregt diskutiert wur­den etwa die Grundrechte der Ruderer, die Frage, wie viele Begriffe sich mit bis zu vier Punkten abbilden ließen und das Mysterium „Kruff") oder einfach etwas aus dem Nähkästchen plauderten.

Nach einer Stärkung in der nahe gelegenen Markthalle führte Christof Stöck die Gruppe zunächst durch die nähere Umgebung des Landtags, Geschichte und Hintergrund unterschiedlicher Sehenswürdig­keiten und Gebäude wie des Alten und Neuen Rat­hauses oder des Sitzes der Norddeutschen Landesbank erläuternd. Die anschließende Führung durch den Niedersächsischen Landtag selbst erwies sich als besonders interessant, konnte man sich doch einen genauen Eindruck von den hiesigen Arbeitsbedingungen und den aktuell durchgeführten Renovierungsmaßnahmen verschaffen. Ein besonderes Kleinod aber stellte das Archiv dar, in dem ungeahnte Schätze an historischem stenografischen (Lehr-)Material schlummerten und bei­nahe ehrfürchtig von allen Teilnehmern in Augenschein genommen werden konnten.

Der daraufhin bis in den Abend dauernde zweite Trainingsblock wurde aufgelockert durch variantenreiche Diktate, unter anderem eine „Live"-Version der Regierungserklärung des amtierenden Minister­präsiden­ten von Niedersachen, deren Praxisnähe auch so manch gestandenen Kollegen ins Schwitzen brachte.

Den Abend schließlich ließ die Mehrheit der Gruppe in der HBX‑Stadtbrauerei ausklingen, bevor man sich zur Nachtruhe wieder in das nahe gelegene Hans‑Lilje-Haus zurückzog, um ausgeruht die letzte intensive Unterrichtseinheit am Sonntagmorgen zu bestreiten und, um einige Erfahrungen reicher sowie die ein oder andere Silbe schneller, die Heimreise anzutreten.

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank für die engagierte Betreuung durch Christof Stöck wie auch für die hervorragende Organisations­leistung von Waltraud Plickert, die allen Teilnehmern ein abwechslungs­reiches und sehr ergiebiges Seminarwochenende ermöglich­ten.

Stenografen bei den Friedensverhandlungen vor 100 Jahren

Eine wichtigen Beitrag zu den Friedensschlüssen der Jahre 1918 und 1919 lieferten die Protokolle der damaligen Parlamentsstenografen bzw. Kammerstenographen, wie sie sich selbst nannten. Wir beginnen die Serie mit einem Zeitzeugenbericht zu den Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen mit Russland in Brest-Litowsk; es folgen weitere Berichte zu den Friedensverhandlungen mit Bulgarien und Rumänien in Bukarest im Jahr 1918 und natürlich mit der Entente in Versailles im Jahr 1919. 

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